Feuchte Kälte – Meine kürzeste Tour


Die Idee einer Wintertour und deren Folgen.. - Teil 2

Das Fahrrad habe ich mit Winterreifen ausgestattet, sie eingefahren, die Kette geölt und nochmals gespannt. Alles mögliche noch rumgefummelt, nur um die kleine Tour von Schwerin nach Berlin zu unternehmen.

Am zweiten Weihnachtstag ging es dann morgens um 05.30 Uhr in verschneiter Dunkelheit los. Schon der Weg zur S-Bahn war ein Abenteuer. Gegen 08.00 Uhr stand ich vor dem Schweriner Bahnhof und kämpfte mich durch die schneebedeckten Strassen der Innenstadt. Schwerin bietet einiges, vorallem eine fahrradfeindliche Strassenbahn, zumindest im Winter. Neben dem jonglieren auf dem fast nicht erkennbaren schneefreien Bereich, musste ich nun noch auf die nur zu erahnenden Schienen achten.

Randonneur très froid

Randonneur très froid

Trotzdem kam ich ziemlich gut durch und landete auf der Bundesstrasse, der einzig fahrbare Belag an diesem Morgen, meist breite, freie Spuren. Hin und wieder glatte Stellen, von der mich eine fast vom Velo holte. Der Himmel war klar und die Sonne ging gerade auf. Beste Voraussetzungen bei -10°C.

Außerhalb von Schwerin bekam ich zusätzlich den Wind zu spüren. Sehr unangenehm bei Gefälle. Während der Abfahrten hatte ich andere Sorgen, z.B. umfahren der glatten Stellen oder den teilweise hupenden Verkehr, wobei nicht ganz klar wurde, worauf mich die Autofahrer aufmerksam machen wollten.

Chris

Chris

Nach gut einer Stunde Fahrt wurde es sehr kalt. Die Wettervorhersage sprach von gefühlten -17°C und das kam mir auch so vor. Eine halbe Stunde später stand ich dann an einer Kreuzung bei Crivitz und musste mich entscheiden, ob ich weiter frierend und wahrscheinlich in ein paar Minuten lebensgefährdend nach Waren (Müritz) fahre oder abbreche.

Die fünf Minuten im Stand gaben mir dann den Rest. Diese feuchte Kälte, die einem im Gegensatz zur trockenen Kälte die letzte Wärme entzieht und der kalte Wind sorgen dafür, dass selbst die zivilisierteste Gegend einem wie der menschenfeindlichste Ort auf der Welt vorkommt.

Auf dem Bild von mir ist zu sehen, dass bereits meine Kleidung begonnen hat, einzufrieren. Das sah ich auch erst auf dem Foto. So schleppte ich mich über die dörfliche Schneepiste zum Bahnhof und musste noch eine weitere halbe Stunde auf die Bahn warten.

Zurück in Schwerin hatte ich nun die Wahl nach Berlin, das Ticket für die Rückfahrt am 28.12.10 hatte ich bereits und einen Tag vorher wäre ich auch bei meinem Freund untergekommen, oder nach Hause zu fahren. Die Aussicht in einem Regionalzug, wohlmöglich überfüllt wegen der Ausfälle der Schnellzüge, drei einhalb Stunden in Begleitung meines Rades, welches ich gar nicht mehr benötigte, zu verbringen, machte mir die Entscheidung leicht.

Ab nach Hause und abhaken als kleiner Halbtagsausflug. Immerhin bin ich inkl. der Zubringerstrecken gute zwei Stunden im Sattel gewesen. Scheinbar war ich bereits angefroren, noch am Abend hatte ich kalte Füsse.

Fazit: Beachte bei Wintertouren nicht nur Temperatur und Windstärke, sondern vor allem die Luftfeuchtigkeit.

 

 

Streckenkarte

Streckenkarte

23 km - ∅ 14,2 km/h