Giro D’Italia 2006


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Begleitung

Gegen Ende des letzten Jahres bekomme ich eine Anfrage von Christof Worldwheeling.de, ob ich nicht Lust hätte, Dagmar und ihn ein wenig auf dem ersten Abschnitt ihrer Weltreise zu begleiten. München - Venezia oder auch Griechenland stehen zur Auswahl.

Die Idee gefällt mir auf Anhieb, über die Alpen nach Venezia. Meine bisherigen Radreisen führten bisher gar nicht so recht durch die Berge. Das eine sind natürlich die zu erklimmenden Höhenmeter, das andere aber die unvergleichlichen Landschaften und Ausblicke. Anschließend werde ich die Tour entlang des Po und über die Apenninen bis nach Nice fortsetzen.

In der zweiten Märzwoche fahre ich mit dem Nachtzug nach München, wo ich Dagmar und Christof treffe. Leider sind die Wetterverhältnisse nicht gut genug, um den Reschenpass in Angriff zu nehmen. Statt dessen entscheiden wir uns, mit dem Zug nach Bolzano zu fahren. Während des Zwischenhaltes am Brenner, zeigt sich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Abends checken wir in der JH Bolzano ein.

Deutschland ◦ Italien ◦ Frankreich ◦ Trentino ◦ Veneto ◦ Emilia-Romagna ◦ Toscana ◦ Ligure ◦ Côte D'Azur

Trentino-Alto Adige & Venezia

Die nächsten Tage sind wir auf dem Etschradweg und der Weinstrasse Südtirols unterwegs. Schon in Bozen erwartet uns ein schöner Radweg, der uns später durch die Weinberge parallel zur Etsch und der Autopista führt. Das Etschtal ist zudem das Revier der Rennradler. Immer wieder rauschen die Racer an uns vorbei.

An einigen Stellen sind einige Steigungen, teilweise bis 12%, zu bewältigen. Das sonnige Wetter und die traumhaften Ausblicke lassen die Anstrengungen jedoch sehr schnell vergessen. Auf einen Ausflug zum Gardasee wird verzichtet, da wir ihn alle bereits kennen.

Hinter Belluno-Veronese verlieren wir den Etschradweg aus den Augen und müssen uns durch die Berge kämpfen. Wesentlich unangenehmer wird die Anfahrt nach Verona durch deren Vororte. Schließlich erreichen wir etwas genervt die JH, die sich etwas abseits der City in einem schönem Anwesen mit Parkanlage befindet. Abends genießen wir die kleine Stadtwanderung und das köstliche Essen in einem der vielen Restaurants.

In Verona gibt es einiges zu bestaunen. Die Arena befindet sich im alten Stadtkern, genauso wie der wohl berühmteste Balkon der Welt. Er ist Teil des Hauses von Shakespeare's Julia, dessen Wände durch die vielen Besucher beschriftet und bemalt sind.

Chris, Dagmar & Christof in Bozen

Chris, Dagmar & Christof in Bozen

Über die Dörfer fahren wir weiter nach Padova, die letzten 30 km zwingend auf der Landstrasse bei kaltem Gegenwind und einbrechender Dunkelheit. In der Universitätsstadt legen wir einen Ruhetag ein, um die Stadt zu besichtigen. Es ist Markttag. Auf dem großen Marktplatz und in den umliegenden Markthallen wird alles angeboten, was das Herz begehrt. Überall in der Stadt hängen Plakate der Universitätsabsolventen aus.

An jeder zweiten Ecke sind Menschenansammlungen und komisch gekleidete Studenten zu sehen, die ausgepeitscht werden oder genötigt sind obszöne Reden zu halten. Mal etwas anderes, als sein Diplom lediglich in irgendeinem Sekretariat einer Universität in Deutschland abzuholen.

Die Universität in Padova ist die drittälteste überhaupt, nach der von Bologna und natürlich der Sorbonne in Paris. Sie besitzt einen sehr speziellen Medizinhörsaal (Anatomisches Theater) in konischer Form, die aus dem Schiffbau übernommen wurde, so dass möglichst viele Zuhörer den Experimenten auch visuell folgen können. Einige der bekanntesten Lehrer der Universität waren Galileo Galilei und Kopernikus.

Abends kochen wir in der JH von Padova. Irgendwie scheinen unsere Zimmernachbarn davon Wind zu bekommen und schon klopft die Aufsicht an der Tür. Es geht nochmals gut, ein etwas mulmiges Gefühl haben wir dann aber doch. Jedenfalls schmeckt es gut und darauf kommt es an.

Mit dem Zug machen wir am nächsten Tag einen Ausflug nach Venedig. Diese Stadt muss man gesehen haben, wenn man in der Gegend ist. Neben dem ausführlichen Stadtrundgang über die unzähligen Brücken, ist der Besuch des Piazza San Marco obligatorisch. Die Fahrt auf dem Canale Grande ebenso.

Wieder zurück in der JH Padova lernen wir 6 Reiseradler aus Frankreich kennen, die alle mit dem gleichen Rad unterwegs sind.

Sie sind auf Europatour und wollen vom März bis September ca. 12.000 km und 13 Länder befahren.

Der letzte gemeinsame Tag endet in Currichi am Po. Dagmar und Christof nehmen die Route nach Ancona, um dort nach Griechenland überzusetzen. Ich fahre am Po weiter nach Westen und über die Apenninen an die Riviera. Gemeinsam sind wir jetzt ca. 350 km geradelt.

Emilia Romagna

Am frühen Abend erreiche ich die JH in Arquà Polesine. Das 6-Bett Zimmer mit Dusche und WC steht mir und meinem Randonneur allein zur Verfügung. Das anliegende Restaurant ist heute leider vom hiesigen Skiclub gebucht. Ich darf aber am Essen teilnehmen und zum Sparkurs auf dem Tellerrand mitfahren, das gesamte Menü. Ich bin der einzige Gast unter 50. Dann wird aufgetischt. Zuerst leckeres Risotto und feine Tagliatelle, als Hauptspeise verschiedene Sorten Fleisch nebst reichlich Beilagen und als Dessert süßes Brot, sehr lecker. Die Italiener schicken das Dessert noch zur Tauchfahrt in den Spumante. Alles klasse, mir geht es wirklich gut. Außerdem habe ich noch 2 Wochen, um nach Nice zu gelangen. Da weiß ich gar nicht, was ich machen soll. Na ja, zunächst sollte ich an die Riviera fahren.

Meine Reise führt weiter entlang des Po. In San Benedetto genieße ich mein erstes Gelato. Ein wahrer Genuss, hätte ich eigentlich schon früher das italienische Eis probieren sollen. Inzwischen radele ich seit über einer Woche in Italien. Die nächste Übernachtung soll in der JH in Guastalla sein. Ein etwas unsicheres Gefühl habe ich bereits, denn offiziell öffnete die JH diese Saison vor 3 Tagen. Abends gegen 18.15 Uhr erreiche ich Guastalla nach 128 km. Notfalls könnte ich nach Reggio weiter radeln. Das sind dann aber weitere 30 km und das muss wirklich nicht sein.

Piazza San Marco

Piazza San Marco

Am Eingang spreche ich mit dem Patrone. Er hat eine gute und eine schlechte Nachricht. Die JH ist geöffnet, allerdings voll ausgebucht. Eine Schulklasse belegt das gesamte Haus. Super, ich verabschiede mich, gehe zurück an die Strasse und überlege, was ich nun mache, entweder weiter nach Reggio oder Parma. Mir gefällt beides nicht, eigentlich bin ich fertig für heute. Da kommt plötzlich die Frau vom Patrone aus dem Haus. Sie hat eine Idee. Ich bekomme ein Klappbett und kann im Frühstücksraum übernachten. Der einzige scheinbare Nachteil sei, dass ich am Sonntag Morgen um halb acht das Feld geräumt haben muss. Dass passt ganz gut. Den Abend lasse ich nach einem kleinen Stadtrundgang in der dortigen Pizzeria ausklingen.

Morgens ist natürlich im Haus die Hölle los. Geschrei aus jeder Ecke, Gerenne im gesamten Haus. Als die Schulklasse zum Frühstück erscheint, mache ich mich bereits aus dem Staub. Im umliegenden Gelände findet heute ein Mountainbike-Rennen statt. Überall sieht man die Mountainbiker sich warm fahren oder an ihren Rädern schrauben.

Heute ist die letzte Etappe in der Po-Ebene, morgen beginnt die Apenninen-Anfahrt. Im Gegensatz zu Reggio umfahre ich Parma, um dem Großstadtsog zu entgehen. Immer wieder kommt die Sonne durch, in der Regel ist es aber bedeckt und windig, genau wie die Tage zuvor. In Cadelbosco entdecke ich einen kleinen Feinkostladen, der geöffnet hat. Auch wenn ich Parma rechts liegen lasse, heißt es nicht, dass ich auf den berühmten Schinken ebenfalls verzichte. Die nette Frau hinter der Theke scheint genau zu wissen, was ich möchte. Ein leckeres Brot und Parma Schinken. Ein extra Pausenbrot macht sie mir auch fertig.

Langsam verändert sich die Landschaft. Kurz vor Fidenza wird die Strecke hügeliger. Bei 2-4% Gefälle gleite ich mit ca. 30 km/h dahin, während ich ständig von einem Rennradler nach dem anderen überholt werde. Da bin ich wahrscheinlich in eine Rennradveranstaltung geraten.

Pünktlich zur Übertragung der Formel 1 sitze ich im Hotelzimmer vor dem Fernseher und auf dem Schoß eine leckere Pizza. Später läuft sogar noch HdR - Die Zwei Türme. Ein gute Ausgangslage für die Dinge, die da kommen.

Es folgt ein harter Tag mit 5% Steigung im Schnitt. Teilweise sind auch Rampen von 12 % zu meistern, besonders kurz vor Pelligrino. Die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit gestaltet sich hier in den Bergen schon etwas schwieriger. Wahrscheinlich liegt es an der Jahreszeit, viele Hotels sind geschlossen. In Bardi hilft mir jedoch ein freundlicher Einwohner und ich bekomme ein Zimmer in einem der kleinen Gasthöfe.

Das Wetter bleibt leider nicht beständig. Der Anstieg zum Passo San Donna wird zur Qual bei strömendem Regen. Da hilft die beste Regenkleidung nicht. Auf 1000 Metern Höhe liegt noch Schnee am Straßenrand, es wird kälter. Zwei Stunden benötige ich für den Anstieg. Dann geht es hinab. Das Wasser rauscht in Massen ins Tal. Die Abfahrt ist fast noch unangenehmer. Regen, kalter Wind und Nebel mit einer Sichtweite von 20-30 Metern. Meine Bremsen reagieren kaum, so dass ich zusätzlich mit den Schuhen verzögern muss. Dabei beschädige ich auch noch meine Regenhose.

Jede Kurve kann meine letzte sein.

Irgendwie schaffe ich es bis Borgo Val di Taro, kaputt und durchnässt. Ein Weiterfahren ist für mich erstmal ausgeschlossen. An die Riviera gelange ich mit dem Zug. Dort regnet es zwar auch ein wenig, dafür ist es wärmer. Die JH in Massa ist in einer großen Villa direkt am Meer. Auch hier bin ich wiedermal der einzige Gast. Vor der Saison sind viele Geschäfte und Restaurants geschlossen und werden gerade hergerichtet.

Toscana

Italienkmkm/hTag
120115,720
Hamburg - München (Zug)--1
München - Bolzano (Zug)--2
Bolzano - Lavis65153
Lavis - Belluno Veronese70174
Belluno Veronese - Verona61135
Verona - Padova92156
Padova - Venezia - Padova (Zug)--8
Padova - Arqua Polinese102179
Arqua Polinese - Guastalla1281910
Guastalla - Fidenza1111711
Fidenza - Bardi721212
Bardi - Borgo Val di Taro371113
Borgo Val di Taro - Massa (Zug)---
Massa - Rossignano Solvay991714
Rossignano Solvay - Piombino621915
Piombino - Portoferraio (Fähre)10217-
Isola D'Elba421416
Portoferraio - Piombino (Fähre)--17
Piombino - Riomaggiore (Zug)---
Riomaggiore - Vernazza198-
Vernazza - Sestri Levante (Zug)---
Sestri Levante - Genova601218
Genoa - Finale Ligure761519
Finale Ligure - Menton1051620
Was mache ich nur mit meiner Zeit?

Da wir damals mit dem Zug nach Bolzano fahren mussten, habe ich nun noch 10 Tage, um nach Nice zu kommen. Ein kleiner Ausflug auf die Isola D'Elba passt ganz gut ins Programm. Also radele ich südwärts der Küste entlang. Bis Viareggio lässt der Radweg keine Wünsche offen, danach muss ich auf die Landstrasse ausweichen.

Konzentriert auf die vorbeifahrenden Autos sehe ich plötzlich einen bekannten Turm in der Ferne. Das habe ich noch gar nicht bemerkt, dass meine Route an Pisa vorbei führt. Gerade richtig zur Mittagspause mache ich einen Abstecher, Brotzeit am Fuße des schiefen Turmes.

Ab Livorno endet die eintönige Strasse. Jetzt führt der Weg entlang der Küstenklippen, grandiose Ausblicke.

Elba erreiche ich mit der Fähre von Piombino aus. Es ist mein zweiter Besuch. Vor Jahren war ich bereits auf der Insel, von der aus Napoleon einst regierte. Das Wetter ist mäßig und regnerisch. Während meines Aufenthaltes fahre ich lediglich eine kleine Runde. Zurück wieder mit der Fähre und dann mit dem Zug nach Riomaggiore, in die Cinque Terre.

März ist nicht der richtige Reisemonat für die Toscana. Trotzdem war es eine gute Entscheidung die überschüssigen Tage hier zu verbringen.

 

Ligure - Riviera

Cinque Terre, fünf Länder, ist Weltkulturerbe der UNESCO. An der Steilküste reihen sich fünf Dörfer, deren Häuser wie in den Fels gehauen erscheinen. Sie verbindet ein Wanderpfad, der von vielen Touristen, genutzt wird. Der bekannteste Teil ist der Via dell'Amore zwischen Riomaggiore und Manarola. Auch ich möchte dort fahren, allerdings erfahre ich von der Tourismusinformation, dass Räder dort nicht erlaubt sind.

Im Klartext, ich muss hinauf und oben fahren. Das Spielchen ist bekannt, unerträgliche Steigungen, aber den besten Blick auf die Szenerie. Na gut, ich genieße die Fahrt und versuche der Beschilderung zu folgen. Der Versuch endet in Vernazza. Da habe ich wohl eine Abzweigung verpasst und lande wieder unten. Der Fehler beendet die heutige Etappe. Da fahr ich nicht wieder hoch. Eher nehme ich den Stress der überfüllten Bahnfahrt auf mich. Die Nacht verbringe ich in Sestri Levante, einem netten Küstenstädtchen an der Riviera.

Die nächsten Tage geht es von der Riviera an die Côte D'Azure. Die Küstenstrecke ist alles andere als flach, eher ein auf und ab, aber eine der schönsten Küsten Europas. Sehr schnell darf ich die Erfahrung machen, dass sämtliche JH nicht nur küstenfern, sondern auch wesentlich höher liegen. In Genova brauche ich schon eine Ewigkeit, um in die City zu gelangen. Dann noch eine Stunde lang die Serpentinen hoch quälen.

Mein Zimmerkamerad ist Mark, der in Dresden studiert und jetzt ein Auslandssemester in Genova einlegt. Gestern war er ebenfalls in den Cinque Terre unterwegs.

In Finale Ligure bin ich schon fast oben in der JH angekommen, als eine Frau wild mit ihren Armen umherschwingt und mir irgendetwas zu ruft. Ich verstehe nichts, aber dafür der Bauarbeiter am Strassenrand.

Italienisch ist zwar nicht meine Sprache, ein Wort des vermittelten Bauarbeiters ist allerdings unmissverständlich.

Chiuso!!  Klasse, hätte ich mir die Arbeit sparen können.

Italien nähert sich dem Ende. Die letzten Kilometer klart das Wetter auf. Ab San Remo zeigt sich die Riviera dei Fiori von ihrer besten Seite, strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Hinter Ventimiglia überquere ich die Grenze nach Frankreich. Die favorisierte JH in Menton befindet sich natürlich auch oben am Berg.

France - Côte D'Azur

Glücklicherweise ist sie auch geöffnet und bietet einen tollen Blick auf den Strand. Vor dem Essen wandere ich ein wenig durch die umliegende Gegend. Gemeinsam mit dem Herbergsvater, einem weiteren Franzosen und einem Ehepaar aus Quebec genieße ich das Abendmenü: Roquefort Salat, Forelle und Eis, sehr lecker. Selbst aus dem Speisesaal hat man den Blick auf Menton. Die hiesige JH ist sehr zu empfehlen und in der Saison bestimmt gut ausgebucht.

Nach Nice ist es nur noch ein Katzensprung. Zuvor durchfahre ich Monaco, das High-Society Planschbecken. Hier ist viel los, die Strassen sind vor lauter Verkehr unpassierbar. Wie zu erwarten, sind teure Autos, große Yachten und hohe Häuser zu sehen. Das Preisniveau ist ebenfalls angepasst. Z.Zt. werden sämtliche Strassen repariert. Zum Grand Prix im Mai muss die Strecke in einwandfreien Zustand sein.

Ohne mich lange Aufzuhalten fahre ich nach Nice weiter. Die Strecke führt  um den Mont Boron herum. Dann offenbart sich eine ganz andere Szenerie, die Skyline von Nice mit der nicht enden wollenden Strandpromenade, traumhaft. Im Anschluss folgt der Flughafen. Bei entsprechenden Windverhältnissen verläuft der Landeanflug parallel zum Strand, die Flugzeuge sind zum Greifen nahe.

Plage de Nice

Plage de Nice

Nun habe ich zwei freie Tage bis zum Rückflug. Die JH in Nice ist besser besucht. Einige Bewohner sind permanente Gäste, die in Nice arbeiten. Die anderen sind teilweise auf langen Reisen unterwegs, allerdings niemand mit dem Rad.

Den ersten Tag nutze ich für eine Tour nach St. Raphaël. Es ist eine grandiose Abschlusstour, das Wetter ist bestens, das erste Mal fahre ich in kurzer Hose bei 18-23°C. Der Radweg ist super. Durch die Altstadt von Antibes, über den Wochenmarkt, durch kleinere und größere Yachthäfen geht es nach Juans les Pins, einem der schönsten Küstenorte.Dann weiter  entlang des Strandes direkt auf der Promenade. Immer den Palmen folgend bis zur Croisette in Cannes.

Hinter Cannes erwartet mich der Wind leider von vorne. Die Strecke verändert sich zu einer typischen Küstenstrasse. Als ich nachmittags in St. Raphaël eintreffe, ist schon klar, dass ich zurück mit der Bahn fahren werde.

Am letzten Tag bringe ich mein Velo wieder in Schuss. In der JH lerne ich Marc aus Montreal kennen, der sich Europa anschaut. Außerdem noch Peter aus Senegal und eine Mexikanerin aus Guadalajara, die in den USA lebt und Marc bereits in Holland, Amsterdam getroffen hat. Abends gehen Marc und ich essen. Er wird noch Carcassonne und Barcelona besuchen, bevor er die Rückreise antritt.

Rückreise

Das Einchecken des Randonneur am Großgepäckschalter ist problemlos. Ohne Demontage oder Verpackung kann ich ihn aufgeben. Lediglich die Reifen müssen erleichtert werden. Sämtliche Radtaschen bis auf einen Frontroller und die Lenkertasche gebe ich ebenfalls auf.

Dann muss ich durch die Sicherheitskontrolle.

Das Drama nimmt seinen Lauf. Ich habe vergessen, das restliche Gas zu entsorgen.

Frankreichkmkm/hTag
14414,44
Menton - Nice561221
Nice - St. Raphael881622
St. Raphael - Nice (Zug)---
Nice - Hamburg (Flug)--24
So etwas übersieht der Röntgenspion nicht. Riesen Aufstand, die Obersicherheitsbeamtin bittet mich den Frontroller zu öffnen und kippt ihn dann einfach aus. Da protestiere ich natürlich. Mein Taschenmesser aus der Lenkertasche nehmen sie mir auch. Leichtsinnigkeit wird eben bestraft. Nur meine Gabel bleibt mir. Das verstehe ich nicht und erkläre, auch damit könnte jemand verletzt werden, da bin ich sie auch los. Obendrein muss ich auch noch die Abnahme der Utensilien schriftlich bestätigen.

In Hamburg darf ich feststellen, dass die Luftpumpe abhanden gekommen ist. Jetzt kann ich nicht mal mein Velo aufpumpen. Die Pechsträhne endet einfach nicht. Aber es gibt Autovermietungen am Flughafen, die haben sogar eine Waschanlage, mir reicht der Luftdruck-Kompressor. So muss ich das Rad nicht bis nach Hause schieben.

Trotz meiner Fahrlässigkeit hätte mir das Sicherheitspersonal in Hamburg die Gelegenheit gegeben, die verbotenen Gegenstände noch aufzugeben (ausser das Gas) oder anderweitig außerhalb der Sicherheitszone los zu werden. Das habe ich auf Anfrage beim deutschen Zoll erfahren. Meine Ausrüstung werde ich nicht mehr wieder bekommen, die ist inzwischen zerstört worden.

Ich bin wieder daheim, während Dagmar & Christof in Griechenland unterwegs und eigentlich noch am Anfang ihrer großen Reise sind. Gemeinsam hatten wir schöne Tage auf dem Etschradweg, in Verona, Padova und Venezia. Einige angenehme Tage habe ich in der Poebene verbracht, meine Grenzen in den Apenninen erfahren und letztendlich aufgeblüht bin ich in der Toscana und an der Riviera / Côte D'Azur. Eine tolle Tour mit neuen Bekanntschaften aus aller Welt.

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