Hamburg – Berlin Ostertour 2011


Am zweiten Weihnachtstag letztes Jahr musste ich leider die etwas optimistisch geplante Tour von Schwerin nach Berlin abbrechen. Diese wollte ich in jedem Fall nachholen und da kam Ostern gerade recht, vorallem bei dem zu erwartenden Wetter. Und um sämtliche Ostertage unterzubringen, sollte es dann auch von Hamburg aus per Rad los gehen. Der LiveOnTour-Blog kann hier eingesehen werden.

In der Dunkelheit am Karfreitag Morgen machte ich mich auf zur S-Bahn. Die Tour sollte in Hasselbrook starten. Bereits auf dem Bahnsteig in Othmarschen durfte ich dem bunten Treiben der Halbstarken beiwohnen. Sie können kaum stehen, aber die Flasche halten. Einer nimmt die Abkürzung über die Bahngleise und rollt dann den Hügel herunter, die Kumpels können sich vor Lachen nicht halten.

Im Zug wird es nicht besser, überall dösende Schnapsleichen. An der Reeperbahn steigen weitere Nachtschwärmer zu. Alle nicht mehr ansprechbar. Einer verliert seine Bierflasche, die sich auf dem Boden leert und durch das Abteil rollt, er auf allen Vieren hinterher, erst in die falsche Richtung, dann auf Zuruf in die richtige. Am Bahnhof Hasselbrook lasse ich das hinter mir. In der Dämmerung verlasse ich die Stadt.

Hindernispfad bei Zarrentin

Hindernispfad bei Zarrentin

Pünktlich zur Frühstückszeit bin ich kurz vor Mölln bei Freunden, bei denen ich mich zu selbigem eingeladen hatte. Mittags breche ich auf. Diesmal fahre ich nicht über Ratzeburg und Gadebusch nach Schwerin, sondern über Zarrentin am Schaalsee vorbei. Kurz nach der Grenze steht der Weg auf mindestens 20 Metern unter Wasser. Eine Schlange durchquert gerade den Tümpel. Da ich nicht sehen kann, wie tief es in der Mitte ist, muss ich über das benachbarte Feld, welches ebenfalls mehr Teich als Acker ist. In großem Bogen geht es durch den Schlamm. Die Sonne brennt von oben bei 26 °C.

Etwas später geniesse ich die wohlverdiente Pause am Schaalsee bei herrlichem Wetter. Lediglich der Wind drängt sich etwas auf. Bis zum Campingplatz am Schweriner See wird er zum ständigen Begleiter, eher Gegner. Erst gegen 20 Uhr komme ich an. Nach dem Check-In kann ich gleich gegenüber in der Gastronomie ein Steak frisch vom Grill bestellen, kurz vor Küchenschluss. Danach geht es mir wieder besser. Allerdings muss ich das Zelt im Dunkeln (besser als im Regen) aufbauen und die Dusche lässt auf sich warten.

Am nächsten Morgen gibt es frischen Kaffee nach dem Zeltabbau. Das Wetter ist wieder herrlich. Ich mache mich auf den Weg, an Crivitz vorbei und immer hart im Wind. Ein Dorf nach dem anderen passiere ich. Überall nichts los, kein Geschäft, keine Tankstelle. Die Fahrt ist mühsam, bergab bin ich langsamer als die entgegen kommenden Radler und ich habe immer noch nichts gegessen.

Um dem Wind etwas zu entkommen, ändere ich die Route. Heute noch hinter Waren in den Müritzer Naturpark zu kommen ist nicht möglich. Ich entscheide mich etwas südlicher nach Plau am See zu fahren.

Erst gegen 14.00 Uhr, also fünf Stunden nach Start, erreiche ich eine Stadt mit Geschäften und Tankstellen. Ich bin in Lübz und sehe bereits aus der Ferne den rettenden Netto, sofort beginnt die Erstversorgung. Hatte ich doch die letzte Stunde von einem Apfel oder ähnlichem geträumt. Daraus wird nichts, gibt es nur kiloweise. Egal, ein Bäcker ist auch da.

An der Lübzer Schleuse gönne ich mir ein frisches Lübzer Pils und eine Portion Spargel direkt am Wasser. Der ständige Gegenwind bringt meine Planung durcheinander. Ohne eine Teilstrecke mit dem Zug zu fahren, werde ich Berlin am Ostersonntag nicht erreichen. Früh am Abend treffe ich in Plau am See ein. Von hieraus werde ich die Gelegenheit nutzen, mit dem Schiff über die Mecklenburgischen Seen zu schippern. Aber erst morgen, alle Schiffe sind schon weg. Schließlich gab ich der Route über die Mecklenburgische Seenplatte ja den Vorzug gegenüber dem Elberadweg, den ich auf der Radreise Hamburg-Wien in 2008 befuhr.

Malchow

Malchow

Ein paar Kilometer außerhalb der Stadt liegt der Campingplatz direkt am See. Auf der Zeltwiese tummeln sich schon einige Camper.

Mein Nachbar ist HSV-Fan durch und durch. Sein VW-Bus ist entsprechend designed, das Kennzeichen ziert RH 1887. Also Fanclub Rothosen und das Gründungsjahr des HSV. Aus den Boxen dröhnt nur die HSV-Hitparade. Ich baue meinen Palast auf, besuche das Bad und verschwinde, Abendessen (Osterlamm, sehr lecker!) direkt am See inkl. Osterfeuer.

Ostersonntag, das Zelt ist noch feucht vom Morgentau. Ich muss es trotzdem einpacken. Diesmal hatte ich am Abend vorher beim Camping-Imbiss Frühstück bestellt. Pünktlich zur Öffnung um 08.00 Uhr sitze ich auf der Terrasse bei den ersten Sonnenstrahlen und genieße das reichhaltige Frühstück. Um 10.00 Uhr fährt das Schiff.

Die 5-Seen-Tour führt von Plau am See mit Umstieg in  Malchow nach Waren, wiederum bei fantastischem Wetter und 26 °C. Eine grandiose Abwechselung, Schiff fahren ist immer toll. In Malchow habe ich 1,5 Std. Wartezeit, weil das erste Schiff Verspätung hat. Na ja, so darf ich an der stündlichen Öffnung der Drehbrücke teilhaben. Das ist ein Spektakel, die Schiffe und Boote stehen schon eine halbe Stunde vorher auf beiden Seiten der Brücke Schlange.

In Waren lege ich erst kurz vor 15.00 Uhr an. Viel Zeit zum Radeln bleibt da nicht mehr. Nach einem Besuch der Touri-Info ändere ich wiedermal die Route. Da es in der letzten Zeit wenig regnete, sind die Sandwege im Naturschutzgebiet Müritz wahrscheinlich zu weich für meinen Randonneur. Also fahre ich aussen herum, später jedoch einen kleinen Abschnitt durch den Wald, der eher einem Hindernisparkour oder Actiontrail ähnelt, teils muss ich sogar schieben.

Waren

Waren

Das Dorf am Waldausgang ist Kratzeburg. Hier endet meine Tour nach ca. 240 gefahrenen Kilometern. Ich fahre direkt zum Bahnhof. Der nächste Zug fährt 105 Minuten. Klasse, so lange warten in diesem Kaff. O.K. schaue ich mal, was es hier so gibt. Oh, ein Schild “Fisch-Imbiss ca. 300 Meter”. Die Stimmung steigt, da trete ich noch mal richtig in die Pedale. Angekommen an der Fischräucherei lese ich das nächste Schild “Heute geschlossen”.

Mann, es ist doch unglaublich, endlich ein Dorf mit Imbiss, übrigens das erste auf der Tour, und dann nicht geöffnet. Tief durchatmen und zurück zum Bahnhof, oder die heran schreitenden Anwohner fragen. Mein Velo blickt bereits wieder in Richtung Bahnhof als ich erfahre, dass ich es in weiteren 300 Metern versuchen solle.

Siehe da, ich kann es gar nicht fassen, ein Café, unglaublich. Zuerst muss ich bei der Bewirterin meine Verwunderung los werden. Auf der Südterrasse hinterm Haus lasse ich die Tour bei äußerst leckerem Apfelkuchen ausklingen. Obendrein bekomme ich sogar ein lila Osterei für die Bahnfahrt zugesteckt.

Auf die schon normalen Abenteuer der Bahnreisen mit dem Fahrrad will ich diesmal gar nicht weiter eingehen. Am späten Abend treffe ich bei meinem Freund in Berlin ein und verbringe zwei entspannende Tage bis es nach Hause geht.

Das war eine klasse Tour bei schönstem Wetter. Nur, dass ich am zweiten Tag in den Hungerast geraten bin, ist bei meiner Erfahrung ziemlich dumm gewesen. Aus der Not kam dann aber die Tugend oder eben die schöne Schiffstour. Während andere über Ostern in ausländischen Schlechtwetterzonen festhingen, genoss ich ich die Naturparks Lauenburgische Seen, Schaalsee sowie die Mecklenburgische Seenplatte.

250 km - ∅ 15 km/h - Link zur geplanten und gefahrenen Route