Marrakech 2014 – Lost in the Medina


Im Sommer besuchte ich die "Perle der Adria", nun folgte im Winter die "Perle des Südens".  Das zweite Mal hat es mich nach Marokko gezogen, damals jedoch nur bis zur nördlichen Spitze nach Tanger. Das war schon ein Erlebnis. Da habe ich mir einen Seidenteppich aufschwatzen lassen und obendrein die Fähre verpasst.

Diesmal nehme ich den Luftweg direkt zum Airport von Marrakesch. Eigentlich will ich mit dem Bus in die Medina fahren. Die Taxifahrer sind aber so hartnäckig, da kann ich mich gar nicht gegen wehren. Auf der Fahrt soll ich dem Fahrer sogar noch die deutsche Sprache näher bringen. Irgendwo in der Medina nahe einer Moschee werde ich abgesetzt. Weiter geht es mit dem Auto nicht. Ich solle geradeaus gehen, da hinten liegt mein Riad.

Ich wandere durch die Gassen und schaue dem Treiben zu. Haus an Haus, in jedem ein rechteckiges Loch mit Händler, der seine Waren anbietet. Einige tun dies sogar direkt vom Strassenboden aus. An die Gerüche muss ich mich erst gewöhnen. Meinem Riad komme ich jedoch nicht näher, habe mich verlaufen. Mit Hilfe eines Einwohners gelange ich durch kleine Gassen vor der Tür meiner Bleibe. Ich habe mich bewusst für ein Riad entschieden. Ein mehrstöckiges Haus mit offenem Innenhof, in dem früher die Tiere gehalten wurden. Die Wohnräume befinden sich auf den Etagen. Mitte Dezember bin ich der einzige Gast und bekomme das Zimmer neben der Dachterrasse, wirklich klasse. Das Frühstück wird unten im Innenhof in einer der Ruhe-Nischen serviert.

Riad Bahia (Innenhof)

Riad Innenhof

Die nächsten 3 Tage tauche ich in die Medina ein. In den Suoks, das Konsumsviertel, verlaufe ich mich mehrfach, obwohl es immer nur bestimmte Waren oder Handwerksleistungen in einem kleinen Gebiet gibt. So sind der Ledermarkt und deren Händler in einem Gebiet zusammen, genau wie z.B. die Zweiradmechaniker oder das Porzellangewerbe oder die Gewürzhändler. Kleine Garküchen und Cafes trifft man an jeder Ecke.

Und dann gibt es noch den "Platz der Gehenkten", Djemaa el Fna, auf dem es Abends das Leben spielt. Aus den umliegenden Cafes und Restaurants hat man einen schönen Blick auf das Treiben unten. Mittig werden täglich die Garküchen aufgebaut, umsäumt von den Orangensaftständen und den kleinen Händlern, die hier alles verkaufen, sogar ein Gebiß. Gaukler und Geschichtenerzähler unterhalten die Besucher bzw. stellen für viele Einheimische Analphabeten die einzige Informationsquelle dar.

Natürlich existiert auch ein modernes Marrakesch mit moderner Einkaufsstrasse und den üblichen Filialisten. In der Neustadt finde ich auch ein sehr nettes französisches Restaurant, die Garküchen liegen mir nicht besonders.

Marrakesch muss man gesehen haben. Die kleinen Gassen und das Leben in der Medina bringt einem den Orient näher. Die Marrokaner sind darüber hinaus immer freundlich und hilfsbereit. Im Nachhinein habe ich vier schöne Tage in der Stadt verbracht.