Transalp AlpeAdria Ext. 2014


f_alpeadria

Es war immer nur eine Frage der Zeit. Meine Italientour mit Dagmar & Christof sollte eigentlich in München beginnen und über den Brenner nach Italien führen. Aufgrund des Wetters Anfang März startete unser gemeinsamer Abschnitt erst in Bozen.

Dieses Jahr soll es nun per Rad durch die Alpen gehen.

Ich entscheide mich für den Ciclovia AlpeAdria Radweg, ca. 410 km von Salzburg nach Grado am Mittelmeer. Anschließend fahre ich die kroatische Adriaküste entlang, über die Inseln Krk, Rab, Pag und Hvar bis nach Dubrovnik, der Perle der Adria. Es werden ca. 1.300 km in 14 Tagen.

Ciclovia AlpeAdria | Salzburg - Grado

Mit dem Nachtzug fahre ich von Hamburg nach Wels und dann weiter nach Salzburg. Um 01:30 Uhr steht der Zug und nichts passiert. Nach 10 Minuten steige ich aus, um die Lage zu prüfen.

Die Lok ist weg, alleine davon gefahren!

Der Schaffner erklärt, dass wir hier auf einen anderen Nachtzug warten, an den wir ankoppeln. Und der hat natürlich Verspätung. Klasse, dadurch verpasse ich meinen Anschluss in Wels.
Mit zwei Stunden Verspätung erreiche ich Salzburg, immerhin bei 20°C und Sonnenschein. Zwei Stunden bedeuten für mich 20-30 km auf der ersten Etappe und gefährden dadurch mein Tagesziel.

Na gut, los geht es. Viel trainiert habe ich nicht, eigentlich gar nicht. Dafür wird es gleich am ersten Tag zur Sache gehen. Erstmal verlasse ich bei strahlendem Wetter Salzburg an der Salzach. Entspanntes Radeln an Hallein und Kuchl vorbei. Traumhafte Einfahrt in die Alpen, sehr imposant, wenn man nicht an das denkt, was folgen wird,  der erste Anstieg am Pass Lueg. Die Motivation schiebt mich locker hinüber.

Bei Lend geht es links ab nach Dorfgastein. Leider entscheide ich mich, hinter Schwarzach am Ausgleichsbecken vorbei zu fahren. Großes Kino, großer Fehler. Einige Meter muss ich schieben. Der Preis für das Panorama. Dann kommt der Tunnel bei Klamm, indem es weiter hinauf geht. In Klammstein bin ich am Ende, das Tagesziel ist leider verfehlt. Dieser Start ist nicht wünschenswert und ich mache mir bereits Sorgen über den weiteren Verlauf, obwohl ich gerade mal ein paar Stunden im Sattel saß.

Bad Gastein

Bad Gastein

Im Gasteiner Tal kann ich mich voll und ganz auf die schöne Landschaft konzentrieren. Bei einem Schnitt von weniger als 10 km/h verpasse ich keinen Blick der weidenden Kühe und Pferde. Das Highlight gilt es auch zu erarbeiten. In Bad Gastein kämpfe ich mich hinauf zum Wasserfall der durch den Ort rauscht. Auf der Brücke mit Blick hinauf tummeln sich die Touristen. Ich lausche kurz dem Geplätscher und radele zum Bahnhof nach Böckstein. Mit der Bahn kann ich durch die Tauernschleuse (Tunnel) bis nach Mallnitz fahren.

Die folgende 8 km lange Abfahrt ab Mallnitz fordert höchste Konzentration. Es ist extrem windig, in der Kurve von vorne und auf den Geraden gefährlich von der Seite. Unten angekommen erwartet mich der Drauradweg kurz vor Spittal. Ein sehr schöner Abschnitt bis Villach. Hinter Villach gilt es die Grenze nach Italien und Trevisio zu erreichen. Die Strecke steigt stetig an und macht mich verrückt, da es eigentlich nach Gefälle aussieht. Nur meine Beine sagen etwas anderes. Regelmäßig blicke ich zurück, um zu erkennen, wo es wirklich nach unten geht. Leider hat es auch begonnen, leicht zu regnen.

Hinter Trevisio kann ich rollen lassen. Auf sandigen Wegen verläuft der Radweg abseits der Strasse. An einem Wasserlauf ist der Weg unterbrochen und ich muss durch das kalte Wasser watscheln. Nachdem ich die Unterkühlung verarbeitet habe sause ich ab Pontebba die Landstrasse hinunter. Der Himmel ist inzwischen grau in grau, die Wolken hängen in den Bergen und die Temperatur sinkt rapide. Bange Minuten bis es zu schütten beginnt. Wann geht es los? Mein Ziel ist ca. eine halbe Stunde entfernt.

Plötzlich ein merkwürdiges Geräusch von hinten, ein klappern und Flattern. Ein Geländewagen überholt mich, auf dem Dach vollbeladen.
Kaum an mir vorbei, kracht die Ladung vom Dach ca. 20 Meter vor mein Vorderrad. Mitten auf der Strasse liegt ein kaputtes Türblatt und ich rase mit 45 km/h drauf zu.

Das hätte auch schlimm enden können, aber meine Bremsen halten und verzögern gefahrlos. Die erste gefährliche Situation gemeistert, darf ich mit ansehen, dass der nachfolgende Verkehr die Situation nicht richtig einschätzt und die Geschwindigkeit nicht verringert. Die Besitzer laden die Reste des Türblattes wieder auf das Dach und ich versuche dem Regen zu entfliehen.

Kurz vor dem Tagesziel holt mich das Unwetter ein. Keine Unterstellmöglichkeit weit und breit. Es gießt in Strömen innerhalb von Sekunden. Vor lauter Wasser kann ich gar nichts mehr sehen. Die Lkws rauschen zwei Meter links an mir vorbei und verpassen mir eine extra Dusche, wirklich klasse. Ich rette mich noch auf den Campingplatz von Gemona. Heute lasse ich mir eine leckere Pizza vom Italiener servieren, sehr lecker.

Der vierte und letzte Tag auf dem Ciclovia AlpeAdria beginnt. Regen, Regen und Regen. Häufig habe ich deshalb den Radweg verlassen. Auf Asphalt ist es im Regen nicht so eine Schlammschlacht. Dreimal erlebe ich plötzlichen Starkregen, die Temperatur sinkt sofort um 5°C. Diesmal finde ich jedes Mal eine Bushaltestelle als Schutz. Aus dem kleinen Häuschen sehe ich drei Radler durch die Wassermassen strampeln. Sie sind auf der Suche nach dem Radweg Richtung Norden. Ich kann ihnen helfen. Ist ganz easy, immer dem grauen Himmel entgehen. In meiner Richtung wird es dagegen heller. 10 Minuten später wird die Strasse allerdings wieder dermaßen überflutet, dass ich schnell unter das Vordach einer Getreidefabrik flüchten muss und, glücklicher Weise, auch flüchten kann. Knapp eine Stunde sitze ich hier fest, während es ständig blitzt, donnert und hagelt.

Ausblick Novigrad

Ausblick Novigrad

Zum Lunch bin ich auf der Piazza Grande in Palmanova, das im 16. Jahrhundert als Planstadt sternförmig angelegt wurde. Ein Blick bei GoogleEarth lohnt sich. Nachmittags beginnt die Anfahrt nach Grado durch die Lagune. Der Himmel klart auf und die Sonne scheint. Die Strecke durch die Lagune ist einmalig. Das Alpenpanorama und die Lagune entschädigen die Strapazen der letzten Tage. Der Ciclovia AlpeAdria war doch etwas härter als ich dachte.

Grado ist dermaßen vom Tourismus eingenommen, dass ich auf den Campingplätzen genauso so viel zahlen soll, als wenn ich mit dem Auto da wäre. Nachdem ich drei Plätze abgeklappert habe, hat sich eine Dame an der Rezeption einsichtig gezeigt und mir einen Sonderpreis gemacht.

Der AlpeAdria Radweg ist bestimmt eine der einfachsten Möglichkeiten die Alpen zu über-/durchqueren, aber trotzdem sehr schön und nicht ohne Grund 2015 als Radroute des Jahres ausgezeichnet. Meine Reise ist hier nicht zu Ende und dies war der einfache Teil. Dalmatien und das Inselhüpfen wird sicherlich wesentlich anstrengender. Na ja, wenn es zu hart wird, mache ich halt eine Woche Badeurlaub, rede ich mir ein.

Istrien

In Triest beginnt auch gleich die Ankündigung auf die folgenden Tage. Ich muss wieder nach oben und zusätzlich den Weg durch die Stadt finden. Am besten man umfährt größere Städte. Natürlich verfahre ich mich zweimal. Irgendwann bin ich endlich raus aus der Stadt und fahre direkt am Meer, grandios. Die Sonne scheint bei 28°C. In Slowenien finde ich einen schönen Campingplatz in Portoroz. Die untergehende Sonne kann ich beim Abendessen auf der Terrasse direkt an der Marina genießen.

An der Grenze zu Kroatien muss ich meinen Ausweis vorzeigen. Das Schengenabkommen gilt hier nicht, der Euro auch nicht mehr. Natürlich geht es wieder gleich zur Sache, an der Küste immer rauf und runter. Den ganzen Tag verbringe ich mit den Weinreben neben der Strasse. Landschaftlich fast unschlagbar. Fühlt sich an wie Urlaub.

Ich bin jetzt in Istrien, ein Ort schöner als der andere. Umag, Novigrad und Porec. Alte Festungsanlagen bilden die Altstadt. Da muss man in Italien, Spanien und Frankreich schon etwas suchen, um ähnliches zu finden. Außerdem sind die Lebenshaltungskosten ca. ein Drittel niedriger. Da macht das Reisen noch mehr Spass.

Leider bekomme ich keine Auskunft über die möglichen Fährverbindungen und im Internet verstehe ich es nicht. Die Touristeninformation aber auch nicht, sofern es sich nicht um lokale Verbindungen handelt. Das Schienennetz ist an der Adriaküste Kroatiens nicht in gewohnter Weise vorhanden, liegt wohl an den dinarischen Alpen, so dass ich aus vermeintlichen Zeitgründen nicht bis Pula an die Spitze der Halbinsel fahre, sondern am Leimski Kanal durch das Landesinnere radele. Am Ende des Kanals habe ich eine traumhafte Abfahrt.

Strand in Moscenicka Draga

Strand in Moscenicka Draga

Mittags gelange ich bei Barban auf die Jadranska Magistrale (Adriatische Küstenstrasse), leider regnet es wieder. Noch eine schöne Abfahrt über den Fluss und dann folgt der Anstieg nach Labin an die Adria. Hoch oben auf der Magistrale mit Blick auf die Adria macht es schon Spass zu radeln. Ich übernachte in Moscenicka Draga, einem kleinen Küstendorf mit eigenem Strand. Genau an diesem sitze ich beim Abendessen und lausche dem Meer, dass 10 Schritte entfernt die Wellen spielen lässt. Das ist wirklich unglaublich, lässt alles andere vergessen.

Am nächsten Morgen frühstücke ich in dem nächsten Küstenstädtchen Lovran, auch sehr hübsch. Etwas weiter Richtung Rijeka liegt Opatija, der mondänste Urlaubsort an dieser Küste mit vielen Luxushotels und einem Casino. In der Hafenstadt Rijeka ist im Hafenviertel täglich ein großer Markt mit Obst und Gemüse in allen Variationen neben den anderen typischen Produkten.

Inselhopping & Dalmatien

Kurz hinter Rijeka passiere ich die Brücke auf die erste Insel. Auf Krk erwartet mich eine herausfordernde Überfahrt, mehr allerdings nicht.

An meinem Hinterrad höre ich immer wieder ungewohnte Geräusche. Als ich anhalte und an meinem Rad hantiere stehen auf einmal zwei Schweizer Radler neben mir und erkundigen sich, ob ich eine Panne habe. Bisher habe ich nur hilfsbereite Reiseradler auf allen Touren getroffen. So auch dieses Mal. Ein kleines Gespräch, das übliche woher? und wohin?
Dann machen Sie sich wieder auf den Weg, etwas später folge ich.

Adria Küste - Blick von Pag

Adria Küste - Blick von Pag

Transalp AlpeAdria ext.kmkm/hTag
1.28415,114
Salzburg - Dorfgastein8815,21
Dorfgastein - Aifersdorf8815,02
Aifersdorf - Gemona (ITA)12617,93
Gemona - Grado10018,44
Grado - Portorož (SLO)10015,75
Portorož - Vrsar (HR)7513,96
Vrsar - Mošćenička Draga9214,27
Mošćenička Draga - Lopar8913,28
Lopar - Šimuni6812,89
Šimuni - Biograd9715,710
Biograd - Trogir11016,811
Trogir - Drvenik9315,012
Drvenik - Slano9614,913
Slano - Zvekovica6212,814
Dubrovnik0015
Gegen 18 Uhr erreiche den Fähranleger. Die letzte Fähre zur Insel Rab legte um 16 Uhr ab, die nächste fährt erst um 20:30 Uhr. Ich ahne böses. Gegen 22 Uhr legt die Fähre in Lopar auf Rab an. Es ist stockfinster, alle Mitreisenden sind mit ihren Autos auf und davon. Es ist kalt und ich weiß nicht wo ich übernachten kann. Da sehe ich, wie einige Leute ausgelassen auf dem Balkon feiern. Es ist eine Pension, leider belegt. Das sind Momente, die wirklich die Nerven strapazieren. Ich bekomme den Hinweis, dass sich die Strasse folgend und dann links ein Hotel befindet. Gut, versuche ich es dort. Ich fahre durch die Nacht. Es gibt nur eine Lichtquelle und die befindet sich unter meinem Lenker. Ich fahre und fahre, kein Hotel. Die Lage wird angespannt. Nebenbei schwinden auch noch meine Kräfte, schließlich bin ich den ganzen Tag unterwegs. Das gibt es nicht, irgendwie bin ich falsch abgebogen. Es ist nun 22:45 Uhr. Ich drehe um. Dann sehe ich das Hotel, an dem ich vorbei gefahren sein muss. Alles dunkel, ich dreh durch. Ok, ich fahre trotzdem zum Eingang. Plötzlich werde ich geblendet. Hat mich der Bewegungsmelder erwischt. Glück gehabt, der Chef ist da und hat ein Zimmer für mich. So etwas liest sich immer wenig dramatisch. Als ich meine Sachen im Zimmer auspacke, bin ich auch wieder entspannt. Eine Viertelstunde zuvor waren die Vorzeichen definitiv anders.

Endlich entspanntes radeln, dachte ich. Die Insel Rab ist wirklich empfehlenswert. Bis zum gleichnahmigen Ort verläuft die Strecke tatsächlich gemächlich und man kann die Vegetation geniessen. Das Städtchen ist sehr gut befestigt und besitzt mittelalterliche, kleine Gassen und eine große Piazza mit einigen schönen Cafes. Genau das richtige Plätzchen für eine Pause. Das war der schöne Teil bis zum Mittag.

Danach muss ich mich den kommenden Steigungen stellen. Das kostet Kraft. Am Ende der Insel darf ich dann in einer super Abfahrt auf zweispuriger Strasse hinab zur Fähre rollen. 15 Minuten Überfahrt zur Magistrale. Beinahe, die Magistrale schlängelt sich weiter oben an den Bergen entlang. Vom Fähranleger habe ich lediglich 13 km bis zur nächsten Fähre, die mich auf die Insel Pag bringen soll.

Für die ersten 5km hinauf zur Magistrale brauche ich eine Stunde, bis zum Anleger eine weitere Stunde. Das ganze bei ca. 27°C. Ich bin jetzt schon platt. Eine halbe Stunde kann ich mich auf der Fähre erholen.
Überraschender Weise wäre das Gelände auf Pag gar nicht so unangenehm, wenn die Bora (gehört zu den stärksten Winden auf der Welt) nicht so blasen würde. Ich kann das Velo kaum halten, ein riesiger Kraftakt. Völlig am Ende erreiche den Campingplatz, eher die Campingoase, in Simuni. Hier gibt es alles: 3 Restaurants, Strand, Supermarkt, Bäcker, Entertainment und unzählbare Standplätze. Nur eines existiert hier nicht: Rasen!
Die Insel ist eher eine Steinwüste auf der Schafe gehalten werden. Tja, ich kriege die Heringe nicht in den Boden. Aber mein Nachbar hat einen Gummihammer. Ich kann mich aber nur auf der Iosmatte aufhalten, alles andere bereitet sofortigen Schmerz.

Das war mit Abstand der härteste Tag bisher. Hätte ich nie gedacht. Liegt aber eher an der Bora als an Pag.

Es folgt der heisseste Tag meiner Reise mit 37°C. Die Steigungen halten sich erst mal in Grenzen, nur kurz vor Zadar sind 9% zu bewältigen. Ansonsten kann ich etwas regenerieren. In Biograd werden diese Woche die Harley Days abgehalten. Dementsprechend geht es hier zu. Die Anhänger sind in Scharen gekommen und nehmen die ganze Küste ein. Ohrenbetäubend, immer in großen Gruppen rauschen sie an mir vorbei.

Wieder auf der Magistrale wird es welliger. Traumhafte Buchten sind von oben zu entdecken und zu bewundern. Unzählige Plätze für den Urlaubswilligen. Es ist kein Wunder, das Kroatien sehr viel Besuch aus Österreich und Deutschland bekommt.

In Sibenik darf ich einen Cappuccino direkt am Wasser neben den schaukelnden Booten genießen. Ich war nun schon häufig am Mittelmeer, Atlantik, Nord- und Ostsee, aber so dicht am Wasser in Restaurants oder Cafes zu sitzen, geht wohl nur in Kroatien.

Am frühen Abend erreiche ich Trogir. Dessen Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Diesmal besorge ich mir eine Übernachtung im Privatzimmer und kann in aller Ruhe die Stadt besichtigen. Hunderte Touristen strömen durch die kleinen Gassen. Der Handel und die Gastronomie haben sich leider schon dem Tourismus unterworfen und bieten entsprechende Produkte an. Die Authentizität geht dabei natürlich verloren, aber das ist überall auf der Welt so anzufinden. Immerhin entdecke ich erst nach 1.000 gefahrenen Kilometern den ersten Big Mäc - Schuppen. Daür gibt es an jeder Ecke Pizza und Spanferkel vom Grill.

Jadranska Magistrala

Jadranska Magistrala

In der Früh radele ich nach Split zur nächsten Fähre. Die Einfahrt in die Stadt ist nervtötend und dreckig. Am Hafen ist natürlich Highlife und keiner weiss, wo er hin muss. Dann folgen zwei Stunden Überfahrt zur letzten Insel meiner Tour, nach Hvar. Krk, Rab und Pag waren schon hart, heute wären meine Grenzen mit einer zusätzlichen Berganfahrt definitiv gesprengt worden. Auf Hvar geht es ab Jelsa in Serpentinen nach oben. Okay, war mir bekannt, so etwas erkenne ich tatsächlich auf den Landkarten. Jede traumhafte, zum Baden einladene Bucht umfahre ich in der Mittagshitze. Es ist zwar anstrengend, aber grandios. Anschließend führt die Straße von der Küste ab, weiter hinauf. Mein Wasser neigt sich dem Ende. Ich passiere kleine Dörfer ohne Supermarkt, Bar oder Café. Die Sonne knallt mit 30°C von vorne. Langsam wird es kritisch. Im nächsten Dorf sehe ich die Erlösung aus der Ferne, ein kleiner Supermarkt. Fehlanzeige, geöffnet von 9-11 Uhr und 18-19 Uhr. Jetzt ist es 16 Uhr, also weiter den Berg rauf.

Eine halbe Stunde später taucht aus dem Nichts eine Bar auf, die Rettung. Ich erkundige mich auch gleich mal nach der Strecke, schließlich befinde ich mich jetzt in Zeitnot. Die Fähre wartet nicht. Der Wirt meint, es geht ca. 3 km weiter hinauf, dann lange Zeit auf gerader Strecke und später wieder hinunter. Verlasst Dich auf Einheimische und …!

Es wurden locker 5km hinauf, die gerade, ebene Strecke muss ich verpasst haben. Im Nirgendwo da draussen allein, habe ich meinen Frust über Kroatiens Strassenbau mal Luft gemacht und lautstark Kund gegeben.
Irgendwann rollte das Velo tatsächlich von allein, endlich die Erlösung. Allerdings muss ich 5 km vor dem Ziel doch noch zwei Hügel bezwingen. Fix und fertig erreiche ich die Abfahrt zum Fähranleger.

Heute habe ich mehrmals kurz am Strassenrand zum Verschnaufen angehalten und mich dabei an den weissen Leitpfosten, die alle 50 Meter vorzufinden sind, abgestützt, um nicht vom Rad zu steigen oder zu fallen.

Einmal habe ich daneben gegriffen, so fertig war ich. Und als ich ihn dann doch noch packte, merkte ich, wie sich der Beton am Boden löste. So landete ich mit dem Ding in der einen und dem Rad in der anderen Hand in der Böschung. Dank dem Klickpedal hing mein strassenseitiger Fuß noch im Pedal. Als ich ihn aus der Pedale nehmen wollte, drehte sich mein Rad. Mannomann, 30-40 Kilo mit einer Hand zu balancieren ist fast unmöglich.Es ist nichts passiert, aber ich war sauer und hab mit dem Pfeiler schon mal das 1:0 für Deutschland geschossen.

Auf der Fähre geht es mir wieder richtig gut. Mittendrin ist eben doch anders.

Die letzten 150 km werde ich wieder auf der Magistrale verbringen. Kurz vor Ploce erstreckt sich ein riesiges Flussbecken.
Während der Abfahrt habe ich einen tollen Ausblick auf die Landschaft. An einem Parkplatz treffe ich einen Reiseradler aus Nürnberg, der in Gegenrichtung fährt. Er ist seit Januar unterwegs und in Agadir gestartet. In Afrika ist er über Fez durch das Rif-Gebirge geradelt. Dann über Tanger nach Gibraltar, durch Spanien, Portugal, Frankreich, Deutschland, Tschechei, sämtliche Länder des ehem. Jugoslawien, Griechenland, Albanien und Montenegro. Jetzt will er noch durch Slowenien fahren. Am Ende werden es wohl 12.000-15.000 km.

Wir haben uns unter brennender Sonne mindestens ein gutes Stündchen unterhalten. Solche Begegnungen sind immer ein Highlight. Da braucht es auch keine großen Erklärungen, man wird sofort verstanden. Er gab mir noch ein kleines Update zu meiner kommenden Route. Exakt wie von ihm beschrieben, verlief die Strecke später auch. Eine ganz andere Qualität als die Aussagen der Einheimischen.

Wir verabschieden uns, jeder setzt seine Reise fort, er gen Norden, ich weiter nach Süden. Es folgt wiedermal ein intensiver Abschnitt bis ich Bosnien & Herzegowina erreiche. Nach nicht mal einer Stunde bin ich wieder in Kroatien. Das Nachtlager schlage ich auf dem Campingplatz in der Bucht von Slano auf. Meine Nachbarn kommen aus Weimar und können mir ein paar Tipps für die letzten 33 km nach Dubrovnik geben.

In aller Ruhe nähere ich mich Dubrovnik. Von der Küstenstrasse aus bekommt man bereits einen Blick auf die Stadt und den Hafen, die Altstadt liegt auf der anderen Seite und muss sich noch erarbeitet werden. Gerade liegen hier drei Kreuzfahrtschiffe.

Ich fahre erstmal an Dubrovnik vorbei, Richtung Flughafen, um dort ein Quartier zu finden. Das Verkehrsaufkommen ist enorm, ständig werde ich angehupt. Zum Flughafen geht es weiter hinauf, die Sonne brennt bei 30°C.
Am späten Nachmittag finde ich ein Zimmer. Mein Flug ist übermorgen früh morgens, da kann ich nicht noch 20 km vorher mit dem Rad zurücklegen.

Einen Tag habe ich für Dubrovnik, in time sozusagen. Dafür hatte ich keinen Ruhetag in den letzten 14 Tagen. Das bekomme ich jetzt zu spüren.

Dubrovnik - Perle der Adria

Dinner in Dubrovnik

Dinner in Dubrovnik

Ich nehme den Bus bis zur Mauer der Altstadt. Heute ist Samstag und die Touristen strömen durch das befestigte Anlage. Viele sind mit dem Kreuzfahrtschiff gekommen und schlängeln sich wie Schulklassen durch die Gassen und auf der Hauptstrasse. Der Besuch des Museums oder andere Attraktionen fallen damit aus. Das alte Hafenbecken ist voll von den kleinen Rettungsboten, die die Passagiere in einer Tour von und zu den Kreuzfahrtschiffen bringen. So laufe ich einmal durch die Altstadt, treppauf und treppab.

Eine Sache lass ich mir nicht entgehen. Für ein paar Kuna kann man die Stadtmauer begehen. So kann die gesamte Altstadt aus der Vogelperspektive umrundet werden. Fantastische Ausblicke auf die Dächer der Altstadt und die Adria. An der Aussenmauer sind an wenigen Stellen Cafés vorzufinden. Viele Besucher besiedeln die großen Steine an der Mauer oder baden in der Adria. Die Altstadt gehört zurecht zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Perle der Adria ist immer eine Reise wert.

Mit dem Bus verlasse ich die Stadt am Nachmittag. Später packe ich meine Sachen und bereite alles für den Flug vor. Der von den Fluggesellschaften geforderte Karton für mein Rad fehlt wieder, wie bei jeder meiner Reisen. Auch dieses Mal wird mein Rad so vom Flughafenpersonal abgefertigt. Nur die Luft muss aus den Reifen gelassen werden. Sonntag Mittag bin ich mit gutem Gefühl zurück in Hamburg, schließlich habe ich es geschafft!

Butter bei die Fische

Der AlpeAdria Radweg ist wirklich lohnenswert. Natürlich muss sich jemand aus dem flachen Ländle erstmal eingewöhnen. Ohne Anstrengung wäre die Reise auch nur die Hälfte wert. Und man kann sich selbst aussuchen,  wie viel Tage man investieren möchte. Es gibt viel zu sehen. Für mich war es mit vielleicht bisher 150 gefahrenen Kilometern zuvor etwas optimistisch. Trotzdem konnte ich die Strecke mit allem Gepäck in 4 Tagen bewältigen.

Die kroatische Adriaküste ist unglaublich. Freundliche Einheimische, viele sprechen sogar deutsch. Die kleinen Küstenorte laden zu erholsamen oder abenteuerlichen Tagen ein. Die Inseln ebenso. Beim vertikalen Ansatz, Nord-Süd oder Süd-Nord, wird man ständig von den dinarischen Alpen begleitet, traumhaft. Da blieb mir regelmäßig der Atem still. Am Mittelmeer gibt es unzählige schöne Orte, Kroatien gefällt mir landschaftlich am Besten. Überall diesen kleinen Buchten mit dem kristallklaren Wasser. Man wird mit jedem Gefährt seinen Spaß haben. Nicht ohne Grund wurden die Winnetou Filme in Kroatien (damals Jugoslawien) gedreht.

Gut, um es kurz zu machen. Kroatien hat mir alles abgerungen. Auf jeder Insel bin ich einmal und auf der Magistrale zweimal gestorben, war einfach am Ende meiner Kräfte. Am Abend hat sich das bei den Sonnenuntergängen wieder relativiert. Jedoch waren 14 Tage radeln am Stück hart. Ein Ruhetag pro Woche sollte eigentlich eingeplant werden. Insgesamt war es definitiv eine meiner schönsten Touren, auch wenn sie nicht an die NSCR 2005 heran kommt. Das liegt aber eher an der Reisezeit und den sieben durchfahrenen Ländern. Außerdem hatte ich damals Zeit und konnte ganz entspannt in den Tag hinein fahren.

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